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Jühnsdorfer Anekdoten 1

Ein Husarenstück von Herrmann Schulze, genannt Ecksken, ein Kerl wie es ihn nicht alle Tage gibt.

Nach getaner Arbeit und an Sonntagen war es auch früher üblich seine Molle und ein Korn zu trinken.
So geschehen in den 30iger Jahren in Kämmerers Gaststätte in Jühnsdorf. Ein Bier folgte dem anderen und die Kräfte der an der Runde beteiligten jungen Burschen wurden immer größer, wie das halt so ist.
Einer wollte den anderen in Stärke und Männlichkeit übertreffen. Ein Wort folgte dem anderen bis einer auf die große Idee kam, eine Wette anzubieten und die Worte in die Tat umzusetzen die da gewechselt wurden und nicht nur mit dem Maule groß zu tun.
Den Amboß aus der Bartzchen Schmiede sollte jeder um die Jühnsdorfer Kirche tragen.
So gingen die Recken Schulze, Albrecht und Ott, eben 3 Mannsbilder von echtem Schrot und Korn zur benachbarten Schmiede bei Bartzens um die Wette einzulösen.
Der Schmied und die jeweils anderen haben den Amboss auf die Schulter von Herrmann Schulze. Als Polster zwischen der Schulter und dem Eisenklotz diente ein Jutesack und des Schmiedemeisters Lederschürze.
Onkel Herrmann, wie wir Jühnsdorfer ihn auch nannten, ging mit diesem ehernen, kantigen Eisenklumpen um die Kirche und löste seine Wette als erster ein.
Bei diesem Fußmarsch wurde es ihm von seinen Mitstreitern gestattet, den Amboss beim Bauer Arnold Ziehe an der Grundstücksmauer anzulehnen und auf der Schulter zu verrücken. Die beiden anderen Kandidaten scheiterten schon beim Versuch des Schulterns des über 260kg schweren Klotzes. Die Knie wurden weich wie Gummi und die Kerle zitterten wie Espenlaub am ganzen Körper.
Der Versuch des Schulteerns wurde in Bartzens Schmiede später auch von anderen Mannsbildern mehrfach versucht, doch bisher erfolglos. Das mag daran liegen, dass die nächste Schänke heute zu weit vom Ort des damaligen Geschehens entfernt liegt und die dem Biere zugesprochenen Kräfte schon beim Anmarsch verbraucht sind.

An dieses Husarenstück muss ich immer denken, wenn ich am Grabe von Onkel Herrmann für einen kurzen Moment verweile.
von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 2

Karl war ein Dollbregen von besonderer Güte, wenn Ihr wisst wie ick dett meine.
Also, dass war so, Karl war´n Bauer aus unserem schönen Jühnsdorf. Das ist ja noch´n bisschen zu kurz gefasst. Karl hatte immer große Kartoffeln und immer Eier in der Pfanne, denn dett jibt Manneskraft und ein Stück Fleisch muss immer uff´n Teller liegen, sonst is dett keen Essen.
Doch wo nun hin mit de überschüssige Potenz... ja nenn Zeitvertreib wird sich zwei Dörfer weiter angelacht. Anfangs mit Fahrrad und später mit´s Moped SR2 zu de Weiberröcke.
Eigentlich beginnt hier erst der Teil, der mir in unmittelbarer Erinnerung geblieben ist und ich Nutznießer der Angelegenheit wurde.
Karl kaufte sein Moped und musste, um Fahren zu dürfen, eine Mopedfahrprüfung ablegen. Doch das war nicht ganz einfach, denn man musste neben der Theorie auch mit dem Ding fahren können.
Mit der Fahrerei gab es große Probleme. Mit Kupplung, Gangschaltung, Gas geben und bremsen... alles ohne Peitsche... oh je!
Also stellte sich Karl mit seiner Knatterbüchse vor die Autobahnbrücke nach Blankenfelde und wartete auf mich, wenn ich zum Konfirmandenunterricht fahren wollte.
Er hielt mich an und bot mir an, mit seinem Moped fahren zu dürfen, wenn ich ihn in die Kunst des Fahrens einweise. Gesagt, getan, die Mopedfahrerei machte mir großen Spaß und der Pfaffe beschwerte sich bei meinen Eltern über die säumige Teilnahme.
Nun war guter Rat teuer. Karl hatte die Lösung: Er schrieb mir eine Entschuldigung für meine Hilfe, die ich dem Herrn Pastor spitzbübisch überreichte.
Nun wurde vor der Konfirmation auch eine Prüfung abverlangt. Das war sehr problematisch mit meinem umfangreich erworbenen Wissen auf diesem Gebiet.
Der Herr Pastor sprach mit mir und wir lösten diese Geschichte auf diplomatischem Wege mit dem gemeinsamen Versprechen, darüber bis zu unserem zeitlichen Ende keine weiteren Äußerungen vorzunehmen.

von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 3

Es war in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts und gleichviel kommt es mir vor als sei es gestern geschehen.
Ich arbeitete damals in einer Berliner Dienststelle des Straßenwesens und hatte täglich einen langen Anfahrtsweg zur Arbeitsstelle. Eine Ausnahme waren Dienstreisen über die Autobahn in Richtung der damaligen Bezirke Halle, Leipzig, Gera, Erfurt und Suhl mit einem Dienstwagen.
Da hatte ich den Vorteil, dass ich von den an der Autobahn befindlichen Parkplätzen abgeholt und bei der Rückfahrt auch wieder abgesetzt wurde. Soweit – so gut! Bei einer dieser Dienstreisen wurde ich zu nachtschlafender Zeit an dem damaligen Parkplatz in Richtung Rangsdorf abgesetzt. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Notrufsäule. Ich verabschiedete mich bei meinem mitfahrenden Kollegen und machte mich in Richtung Friedhofsweg nach Jühnsdorf auf den Weg.
In Höhe des Friedhofs fuhr mir ein gewaltiger Schreck durch die Glieder.
Ein Gespenst kam über den Friedhof direkt auf mich zu. Ich war außer mir vor Angst, obwohl ja Männer immer vorgeben, nie solche abnormen Gefühle zu erleben. Das Gespenst, mit einem hellen Gewand bekleidet, kam beim Mondenschein direkt auf mich zu. Ich war drauf und dran, meine Beine in die Hand zu nehmen und in das benachbarte Dickicht zu verschwinden.
Bleich vor Schreck und über alle Maßen angespannt stand ich da und wusste keinen Rat.
Da begann das Gespenst zu sprechen. Ja, es sprach mich meinem Familiennamen an und erklärte das abenteuerliche Geschehen.
Es stellte sich heraus, dass es sich um eine ältere Dame aus den benachbarten Häusern handelte.
Sie hatte etwas in der Nähe des Friedhofs gesehen und spukte nun in ihrem Nachtgewand im Mondlicht herum.

von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 4

Karl war ein Dollbregen von besonderer Jüte, wenn ihr wisst wie ick dett so meene.
Karl war‘n Bauer aus unserem schönen Jühnsdorf. Das ist ja noch‘n bisschen zu kurz gefasst. Karl hatte immer große Kartoffeln und immer Eier in de Pfanne, denn det jibt Manneskraft und Stück Fleisch muss immer uff‘n Teller liegen, sonst is det keen Essen.
Karl war och sonst keen Döbaddel, er hatte sinn Köpp nich nur zum Haare schneide, det könnt a mir globen.
Ganz früher, also, ich meine die Zeit, als es noch richtige Bauern in der DDR gab, mussten festgelegte Abgaben an den Staat geliefert werde. Neben Brotgetreide, Eiern, Fleisch, Gemüse, Kartoffeln und Ölfrüchten gehörte bei den Jühnsdorfer Bauern auch Heu dazu.
Karl musst an die VEAB (Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufsbetrieb) in Rangsdorf, dort wo heute das Altenheim neu errichtet wurde, eine Fuhre Heu liefern. Das Heu wurde gewogen und nach Gewicht bezahlt.
Nach Gewicht - da lässt sich doch bestimmt was machen. Karl war ein Mann mit Erfahrung beim Handel mit Heu, denn er lieferte ganz früher auch an die Rennbahn in Mariendorf.
Die Fuhre mit dem Heu stand auf dem Hof und ich fuhr mit meinem Fahrrad an dem Grundstück vorbei. Karl rief nach mir und ich betrat den Hof. Mit einer Leiter kletterte ich auf die Heufuhre und erwartete nun die Dinge, die da kommen sollten. Nun, es kamen mehrere Kannen Wasser, die auf der Heufuhre ausgegossen wurden. Die ganze Sache war mir nicht koscher und ich fragte Karl nach dem Sinn. Er antwortete: "Das ist Heu für die Elefanten, wenn`s nass ist, dann brauchen die nicht so viel saufen".
Was ist die Moral von der Geschichte?
Kaufe nie Elefantenheu von Karl.
Wenn ich heute die Traktoren mit den Heuballen fahren sehe, muss ich immer an Karl denken.

von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 5

Karl war ein Dollbregen von besonderer Jüte, wenn ihr wisst wie ick dett so meene.
Karl war‘n Bauer aus unserem schönen Jühnsdorf. Das ist ja noch‘n bisschen zu kurz gefasst. Karl hatte immer große Kartoffeln und immer Eier in de Pfanne, denn det jibt Manneskraft und Stück Fleisch muss immer uff‘n Teller liegen, sonst is det keen Essen.
Nun, wo hin mit de Kraft bei dett jute Essen. In Winterzeiten gab es für Karl nur eins und das war Stubben roden. Die Jühnsdorfer Bauern hatten keinen Wald und Brennmaterial für die Öfen war immer knapp.
Wer sich mit der hiesigen Revierförsterei oder mit der Gutsverwaltung gut stand, dem wurden Stubben für die Rodung zugewiesen. Karl hatte immer die Nase vorn. Große Eichenstubben und Stubben von Rüstern, an die sich sonst niemand vergriff, waren immer seine sichere Beute, so auch die Stubben vor dem alten Pferdestall des Gutshofes.
Für Karl war das Ganze doch ne Nummer zu groß und er suchte sich einen Partner für die Schinderei. Der Partner war bald gefunden und hieß Arnold. Beide machten sich mit allerlei Werkzeug ans Werk, diese gewaltigen Stubben zu roden. Die Stubben mussten ringsherum frei gebuddelt und dicke Wurzeln abgeschnitten werden. Die ganze Sache dauerte mehrere Tage, bis ein Stubben frei war.
Es entstand ein riesiges Erdloch in dessen Mitte der Stubben lag. Ja da lag er nun, doch wie sollte man diesen schweren Holzklotz ohne Hebezeug aus dem Loche holen. Die Lösung war die Abböschung einer Seite des Loches und das Rausziehen des Stubbens mit einem Lanz Bulldog des Volksgutes. Das weitere Geschehen konnte ich als Kind dann nicht mehr verfolgen. Den Öfen hat das sicher gut getan, denn damals gab es noch richtige Winter.

von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 6

"Donnerbalken" am Fußweg

Karl war früher so ein Allerweltsname wie auch Wilhelm, Friedrich, Otto, det warn die Vornamen der alten deutschen Kaiser und Könige. Bei der Namensgabe seiner Nachkommenschaft konnte man politisch nichts falsch machen und die Treue zu den Obrigkeiten zeigen.
Der Drang der Berliner nach frischer Luft und ins Grüne ist nicht so neu und so kam es dazu, dass sich vor mehr als hundert Jahren eine Berliner Familie nach Jühnsdorf auf den Weg machte, um ein Wochenendgrundstück zu erwerben. Am besten ein Waldgrundstück, da konnte man aus dem Holz eine Blockhütte bauen, die Kienäpfel und trockenen Äste als Brennmaterial verwenden und von der aufwendigen Rasenmäherei mit der Sense blieb man auch verschont.
Das Grundstück beträchtlicher Größe wurde zur Hälfte eingezäunt und die Blockhütte errichtet. So weit, so gut... zum idyllischen Leben auf dem Lande gehört auch die Verrichtung der Notdurft und da gab es, wie oft auf damaligen Grundstücken, Probleme.
So mit hintern Baum setzen geht nicht auf längere Sicht, missfällt den Nachbarn und gibt oft viel Verdruss. Direkt am Grundstück vorbei verlief damals ein Fußweg von Jühnsdorf in Richtung Bahnhof Dahlewitz, welcher durch den späteren Autobahnbau nicht mehr genutzt werden konnte. In den Flurkarten der Gemarkung Jühnsdorf ist der Weg noch erkennbar.
Eben diesen Fußweg benutzte der benachbarte Waldbesitzer, Rittmeister von dem Knesebeck für die Ausübung seiner Jagdleidenschaft. Es kam zur Beschwerde wegen der Erregung öffentlichen Ärgernisses.
Die Berliner, die sind helle, det is ja von jeher bekannt und die Lösung war ein Herzhäuschen, im Volksmund auch "Donnerbalken" genannt.
Dem hochwohlgeborenen Herrn war das Ganze doch sehr unschicklich und er vermied fortan diesen Weg, um nicht den in Unterhosen etc. herumlaufenden Gören zu begegnen. Die Moral von der Geschicht, verzanke dich mit deinem Nachbarn nicht, denn für einen Donnerbalken findet sich überall noch ein Platz.
Wer heute zur Kompostierungsanlage nach Jühnsdorf fährt, kann die Reste des Zaunes des besagten Grundstücks am Beginn des Hochwaldes noch deutlich erkennen. Die Blockhütte wurde vor längerer Zeit ein Opfer ungebetener Gäste.

von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 7

Das Grundstück der Berliner Familie war viele Jahre Anziehungspunkt der Jühnsdorfer Kinder und Jugendlichen, denn diese waren sehr freundlich und konnten viel Neues aus der Stadt berichten. Der letzte alte Herr schnitzte Kleiderbügel, Kochlöffel und Quirle aus dem Astwerk der Kiefern.
Als Begrüßungstrunk gab es gewöhnlich einen klaren Kräutertee oder Blümchen-Kaffee, dazu selbstgebackene Kekse aus der Dose.
Der Berliner kam zu Fuß von der Bahn vom Bahnhof Dahlewitz oder vom Bahnhof Rangsdorf. Ein Fahrrad muss er nicht besessen haben. Da ich selber keinen Großvater mehr hatte, war er so ein Ersatzopa für mich. Wir verstanden uns sehr gut und er zeigte mir viele Handgriffe beim Umgang mit Holz, wie man Pilze sucht und was es sonst alles im Wald zu sehen gibt und was man erleben kann mit Schwarzkittel, Fuchs, Dachs und Hase.
Beliebt war bei mir das Erkennen der Vögel an ihrem Gezwitscher. Oft waren wir auch zusammen am Glasow-Bach, dem heutigen Naturlehrpfad am Rangsdorfer See mit der Krummen Lanke, oder auf dem benachbarten Weinberg, wo man damals von einem Anstand einen guten Ausblick zum Rangsdorfer See hatte und im Sommer die Segelboote beobachten konnte.

von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 8

Der Fußmarsch durch den Forst

Die Jühnsdorfer Schüler der Unterstufe mussten ab Januar 1951 zur Schule am Fuchspass nach Blankenfelde. Morgens fuhren wir, wie sich das gehört, standesgemäß mit einem PKW F 7-Kombi des damaligen Landratsamtes aus Mahlow zu Schule. Spötter behaupten, die Holzwürmer waren lebendiger als der Motor dieses Fahrzeuges. Doch was soll´s, "fahren ist allemal besser als loofen", wie dat der Volksmund so säit.
Die Rücktour wurden die vier Kilometer gelaufen. Damit wir den Weg nicht verfehlten, begleitete uns Erna Ückert auf dem Weg nach Hause. Erna machte so manchen Zeck mit uns. Von Schneeballschlacht, Versteckspielen bis Figuren in den frischen Schnee formen. Das schönste war der "Deutsche Adler", aber das musste streng geheim bleiben, mit großem Ehrenwort.
Erna zeigte uns die einzelnen Baumarten, Sträucher, Gräser und Farne, wo die Wetterseite ist und was sonst alles im Wald interessant ist. Solche Heimwege dauerten dann mal etwas länger als geplant.
Später mussten wir dann auf Erna verzichten und ohne Geleitschutz nach Hause laufen. Der Ehrgeiz übermannte uns, jeder wollte als erster zu Hause sein. Vom Fuchspass quer durch den Wald nach Jühnsdorf. Alle Regeln von der Wetterseite und dem Sonnenstand als Orientierungsmittel waren vergessen. Nach stundenlangem Umherirren im Wald stand ich an der Krummen Lanke und traf dort auf Forstarbeiter, die mir den Weg nach Jühnsdorf zeigten. Mama wir hatten noch Basteln in der Schule..., hat´s den Spaß gemacht... na klar und Löcher in die Strümpe hab ick och wieder. Bei dem Fußmarsch durch den Jühnsdorfer Forst war das auch kein Wunder.

von Horst-Dietrich Bartz

 

Jühnsdorfer Anekdoten 9

Bildertausch während des Unterrichts

Viele Jahre wurden die Briefe und Pakete in Jühnsdorf durch Postboten aus Blankenfelde zugestellt. Einer dieser Postboten war der Herr Reinisch aus der Wilhelm-Busch-Straße, der sich später mit seiner Schwester am Fuchspaß, Ecke Rembrandtstraße ein kleines Häuschen baute. Herr Reinisch war bei uns Kindern sehr beliebt, denn er verteilte Werbepostkarten und Bilder der Margarinefabriken "Sanella" und "Märkische Margarine Union". Das war bei uns richtig "heiße Ware", so ähnlich wie heute die Überraschungseier. Meist bekamen wir diese geschenkt oder unsere Eltern spendierten dem Postboten ein paar Hühnereier oder mein Vater reparierte sein Fahrrad.
Auf den Werbepostkarten waren Bilderserien von Afrika, Süd-Amerika, Australien und aus der ganzen Welt, außer der Sowjetunion und dem Ostblock, wie das so landläufig hieß.
Es herrschte eine regelrechte Tauschlaune unter uns Kindern. Ein Indianerbild aus Amerika gegen 3 Bilder von den Hula-Hula-Mädels... Die Tauscherei erfolgte in den Unterrichtspausen und zuweilen auch in den Unterrichtsstunden, sehr zum Ärger unseres Lehrers in der Pantoffelschule in Jühnsdorf. Es folgten fast täglich Eintragungen in das Tagebuch, der dort vorgesehene Platz für Eintragungen reichte meist nicht aus und so wurde was angeklebt.
Jedesmal mussten die Eltern unterschreiben und da gab es immer ein großes Gezeter. Um diesem Stress aus dem Wege zu gehen, beschlossen mein Bruder und ich, dass er nun die Unterschriften zu leisten habe. Das klappte eine Weile ganz gut, bis der Lehrer Verdacht schöpfte und er zusammen mit mir meinen Vater in der Werkstatt aufsuchte und das Tagebuch vorzeigte. Mein Vater erkannte das Problem, ließ sich aber nichts anmerken. Er sagte nur: "Sicher ist den Gören der Unterricht zu langweilig".
Der Lehrer moserte auch in den nächsten Wochen noch rum und wollte mich in ein Kindererziehungsheim stecken lassen, doch das scheiterte an der damaligen Bürgermeisterin, Frau Wähmann. Der Streit wurde zum Schuljahresende gelöst und ich bekam zum Abschlussfest als Auszeichnung für gute Lernleistungen ein Kinderbuch. Voller Stolz konnte ich das später meinen Kindern zeigen.

von Horst-Dietrich Bartz

 

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